Der LIGNUM-Blog
Während in der Landwirtschaft der Schritt vom Jäger und Sammler zur ertragsorientierten Agrarwirtschaft bereits vor 10.000 Jahren erfolgte, blieb in puncto Holzgewinnung alles beim Alten. Der Mensch holt sich - wie in der Urzeit - sein benötigtes Holz aus dem Wald. Erst jetzt, 10.000 Jahre später, wiederholt sich dieser für die Menschheit so wichtige Paradigmenwechsel auch bei der rentablen Gewinnung von Edelholz.
Das 19. und 20. Jahrhundert waren geprägt von einer Dominanz der tropischen Edelhölzer. Je leistungsfähiger und kostengünstiger Transportmittel wurden, umso mehr und billiger kam tropisches Edelholz auf den Markt der Industrieländer. In die Erzeugung musste nichts investiert werden. Man nahm sich kostenlos, was die Natur in Jahrhunderten geschaffen hatte. Dieses setzt sich auch derzeit noch fort, jedoch ist das Aufkommen bereits um ca. 2% p.a. rückläufig - wegen der Erschöpfung der Vorräte und auch Dank des beginnenden Schutzes der noch verbleibenden Urwälder.
Die sich vergrößernde Angebots-Lücke bewirkt nun eine Renaissance der Edelhölzer aus den gemäßigten Breiten, insbesondere aus Europa. Kirsche nennt man schon das „europäische Mahagoni“. Robinie löst mehr und mehr Teak im Außenbereich ab. Nuss erobert seine klassische Verwendung für repräsentative Möbel, Täfelungen und Parkett zurück.
Auch für Edelholz endet nun das „Jagen und Sammeln“, wie schon vor langer Zeit für die landwirtschaftlichen Produkte. An diese Stelle tritt die planmäßige Produktion in nachhaltigem Anbau. Begonnen hat diese Umstellung vor ca. 300 Jahren in Europa, insbesondere in Deutschland. Die Problematik besteht aber darin, dass die überwiegenden natürlichen Gegebenheiten in Europa – geringe Bodenqualität und suboptimales Klima – in Verbindung mit den darauf zugeschnittenen traditionellen extensiven Anbauverfahren bedeuten, dass zwischen dem Anpflanzen und der Ernte der Bäume mindestens 50 Jahre, oftmals 100 Jahre und mehr vergehen. Das sind ungeheuer lange Investitionslaufzeiten, die annehmbare Renditen ausschließen. Deswegen finanziert im Wesentlichen der Staat die Wälder aus Umweltschutzgründen, direkt oder indirekt (auf dem Wege steuerlicher Erleichterungen). Wo in wirtschaftlich schwachen Ländern der Staat diese Investoren-Rolle nicht wahrnimmt, bleiben die Wälder sich weitestgehend selbst überlassen und entwickeln sich zu Formen, in denen kaum noch Holz guter Qualität wächst.
Für eine ausreichende Verzinsung des Kapitals in einer Edelholzproduktion muss vor allem die Zeit vom Anpflanzen bis zu den Ernten radikal verkürzt werden. Das ist nur im Zusammenspiel folgender Faktoren möglich: bester Boden, optimales Klima und Mikroklima, optimale Versorgung mit Wasser (wenn nicht durch die natürlichen Faktoren gegeben, durch Bewässerung), Baumarten und -sorten mit besonders leistungsfähiger genetischer Veranlagung sowie optimierte Anbauweise. Außerdem müssen die Bäume intensiv gepflegt werden, um fehlerfreies Holz zu erzielen. Nur solches ist in wirtschaftlichem Sinne Edelholz und erzielt die hohen Preise.
Zuerst wurde dieser Weg vor rund 250 Jahren bei Teak begangen. Heute kommen ca. 80% des Teak-Aufkommens aus Plantagen. Aber damit allein kann der zunehmende Edelholz-Mangel nicht behoben werden.
Der Megatrend, an dessen Anfang wir stehen, ist die intensive Edelholzproduktion in Europa, insbesondere der Edelhölzer Maulbeere, Kirsche, Robinie sowie Schwarz- und Walnuss, die bei besonders leistungsfähigen Sorten, optimalen natürlichen Bedingungen und geeigneter Anbauweise Investitionslaufzeiten im Bereich von 12 bis 25 Jahren ermöglichen. Auf Grund ausgezeichneter Böden, idealen Klimas und niedriger Kosten sind hierfür speziell die südosteuropäischen EU-Länder geeignet. Die moderne Landwirtschaft setzt hier genügend Flächen für Edelholz-Pflanzungen frei. Auch ökologisch ist es dringend geboten, in den dortigen Agrarsteppen der Erosion durch den Wind und der Austrocknung entgegenzuwirken, indem Waldflächen systematisch eingesprenkelt werden.
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Warum ist so sicher mit steigenden Edelholzpreisen zu rechnen?
Von Andreas Rühl mehr...

