SYSAD – Informationstechnologie trifft Forstwirtschaft
Unter einem Forstwirtschaftsbetrieb stellt man sich gemeinhin ein romantisches Unternehmen vor, das die Natur hegt und pflegt und dieser manchmal unter die Arme greift. Jenseits der lauten und schnellen Welt moderner Transport- und Kommunikationstechniken, liegt sie einfach da: eine kultivierte Oase, in der die Grillen zirpen und der Mensch zur Ruhe kommt.
Doch trifft dieses Bild auf LIGNUM nur zur Hälfte zu. Denn sobald ein Baum auf die LIGNUM-Pflanzungen kommt, werden dauerhafte Daten erhoben, mittels derer er sich in Zukunft erkennen lässt. Per GPS werden seine Koordinaten ermittelt, seine genaue Lage auf unserem Planeten. Fortan wird er sich jederzeit wiederfinden lassen und mit einem Set von Geburtsinformationen versehen sein. Welche Erbgutlinie wurde verwendet? Wann wurde der Jungbaum exakt gepflanzt? Wer hat ihn gepflanzt? Diese Informationen begleiten jeden Baum fortan und werden stetig ergänzt.
Auch die Entwicklung der Bäume wird bei LIGNUM detailliert dokumentiert. Wenn der SYSAD-Trupp loszieht, weht ein Hauch von Science-Fiction durch die LIGNUM-Pflanzungen. Mit futuristisch anmutenden Geräten ausgestattete Vermesser nähern sich den einzelnen Bäumen. Aus ihren Gürteln ziehen sie ein schwarzes, dickbauchiges Instrument. Mit der elektronischen Kluppe, die wie eine überdimensionierte Zange aussieht, wird der Brusthöhendurchmesser jedes einzelnen Baumes ermittelt. Der erste Schritt der Inventur ist vollzogen. Sodann zücken die LIGNUM-Datenerfasser ihre knallgelben, auf modernster Technologie basierenden Vermessungslaser und postieren sich einige Meter vom Baum entfernt. Per Knopfdruck aktivieren sie den Laser. Das magische Auge liest die Gesamthöhe, die Höhe des astfreien Stammes und den Kronendurchmesser ab. Alle quantitativen Parameter liegen nun vor.
Was sich nicht unter Zuhilfenahme von Instrumenten eruieren lässt, muss vom Auge des geschulten Betrachters registriert werden. Hierfür hat LIGNUM objektive Bewertungskriterien entwickelt. Wie steht es um die Form des Stammes, die Güte der Wert-Astung und den Gesundheitszustand? Qualitäten lassen sich nicht durch Maschinen erfassen, hier bleibt der Mensch weiterhin gefragt. Wie ein Arzt schreitet der LIGNUM-Spezialist zur Diagnose, vergibt Noten, beurteilt Gesundheitszustände und speist seinen Bericht in Kurzform in seinen quietschgelben Feldcomputer ein. Jetzt ist der Datensatz vollständig. In Kürze wird er dem LIGNUM-Server automatisch übermittelt werden.
Schauplatzwechsel.
In der Kommandozentrale in Berlin laufen alle Fäden zusammen. Am Bildschirm betrachtet SYSAD-Architekt Guido Koepsell die LIGNUM-Pflanzungen aus der Vogelperspektive.
Hier lässt sich jederzeit auf eine vollständige Datenbank zugreifen, die Entwicklung jedes einzelnen Baumes nachvollziehen und die zukünftige prognostizieren. Mit der Software können nährstoffärmere Zonen in den Pflanzungen erkannt werden. Dies versetzt die deutsch-bulgarische Produktionsleitung in die Lage, frühzeitig zu handeln. Ein ideales Steuerungsinstrument, um das natürliche Wachstum durch dosierte Düngung und andere Maßnahmen zu fördern. Aber vor allem hat LIGNUM einen exakten Überblick über das gewachsene Kapital.
Mittlerweile hat das Vermessungsteam sein Tagewerk verrichtet. In der Abendsonne liegt die Pflanzung ruhig und friedlich da. Die Grillen zirpen und den Anwesenden beschleicht das Gefühl, nun dürfe er seine Seele baumeln lassen. Und das ist wunderschön. Was sich dem ästhetischen Blick aber entzieht, ist der immense LIGNUM-Wissensfundus: über 850.000 Baummessungen, die vollzogene Synthese von Forstwirtschaft und Informationstechnologie.