Gemeinnützig und gewinnorientiert

Interview über die LIGNUM-Stiftungskontruktion

DSC00595.jpgIm Jahr 2009 übertrug LIGNUM-Gründer Dr. Andreas Nobis sein Eigentum an der LIGNUM-Gruppe auf zwei Stiftungen: zu 90 % an die gemeinnützige LIGNUM Stiftung und zu 10 % die Dr. Nobis Familienstiftung.

Warum haben Sie das Eigentum an LIGNUM auf die beiden Stiftungen übertragen?

LIGNUM ist mir wie ein eigenes Kind. Wenn einer will, dass sein Kind irgendwann, wenn er nicht mehr für es da sein kann, selbst seinen guten Weg findet, muss er es langfristig vorausschauend darauf vorbereiten.

Der Marktwert von LIGNUM betrug bereits 2009 über 20 Mio. €. Warum wollten sie nicht zu einem passenden Zeitpunkt das Unternehmen verkaufen oder an der Börse platzieren, möglicherweise dann zu einem noch weit höheren Preis?

„Heuschrecken“ sind zwar nicht alle, die so bezeichnet werden, die Spezies ist aber durchaus virulent. LIGNUM eignet sich nicht dafür, kurzfristig möglichst viel Profit zu erzielen. Wechselnde, emotional nicht mit dem Unternehmen verbundene Eigentümer, die nach schnellem Ertrag trachten, würden LIGNUM schaden. Das wäre hinsichtlich der langzeitigen Verpflichtungen gegenüber den Anlegern, die bei LIGNUM investiert haben, nicht gut. Auch ging es mir darum, die sozialen und ökologischen Intentionen, die mich maßgeblich leiten, durch eine geeignete institutionelle Lösung langfristig zu sichern.

Warum zwei Stiftungen und nicht nur eine?

Der Gründe gibt es drei. Zum Ersten: Prinzipiell ist mir die gemeinnützige Verwendung der Gewinne wichtig, soweit diese nicht wieder in das Unternehmen investiert werden, was hauptsächlich geschehen soll. Ich denke hier insbesondere an die Unterstützung der Stiftung Neuer Wald (www.stiftung-neuer-wald.de). Zum Zweiten: Einer gemeinnützigen Stiftung ist jedoch eine unternehmerische Stellung untersagt. Als solche würde der Besitz der Stimmrechte in LIGNUM gelten. Der Ausweg bestand darin, die Stimmrechte in die Familienstiftung auszulagern. Zum Dritten: Der Status der Gemeinnützigkeit legt im gegebenen Fall zu enge Restriktionen hinsichtlich der Gestaltung einer Satzung auf. In die Satzung der Familienstiftung konnten dagegen die notwendigen umfassenden Regelungen implementiert werden, die die ethischen Prinzipien, die LIGNUM zu Grunde liegen, dauerhaft bewahren sowie stetige Erneuerung und Innovation „programmieren“.

Die unternehmerische Kontrolle übt also langfristig Ihre Familie mittels der Familienstiftung aus?

Familienkontrollierte Unternehmen zeigen langfristig die größte Stabilität. Familien denken in Generationen und nicht nur einigen Jahren, wie auf begrenzte Zeit berufene Vorstände und Aufsichtsräte. Tatsächlich gibt die Satzung der Familienstiftung nach meinem Ausscheiden meiner Familie ein gewisses Mitbestimmungs- und Vetorecht in strategischen Fragen. Aber, Familienmitgliedschaft geht nicht automatisch einher mit Sachkenntnis und Führungsfähigkeit. Deshalb holt sich die Familienstiftung ihre hauptsächliche Kompetenz aus dem LIGNUM-Management. Das ist in der Satzung verbindlich geregelt.

Sie beabsichtigen nicht, sich nächstens ins Privatleben zurückzuziehen?

Nein. Ich möchte möglichst noch viele Jahre mitten im Leben stehen und das „Schiff“ LIGNUM immer noch „seetüchtiger“ und zukunftsfester gestalten. Nachdem die im Jahr 1999 begonnene Aufbauarbeit von acht Jahren geleistet ist, sehe ich jetzt eine meiner wichtigsten Aufgaben darin, sukzessive die Führung so zu verbreitern, dass das Unternehmen zu gegebener Zeit seinen Weg auch ohne mich erfolgreich weiter geht. Die Satzung der Familienstiftung belässt mir zwar nach wie vor, solange ich will und kann, alle Entscheidungsmacht. Ich will mich aber nach und nach immer mehr zurücknehmen in dem Maße, wie unsere junge, sehr befähigte und motivierte „Zweite Reihe“ die Aufgaben voll verantwortlich übernehmen kann.

Was ist Ihre Vision für den weiteren Weg von LIGNUM?

LIGNUM hat das Potential, sich zum führenden Anbieter von in Europa wachsenden Edelhölzern höchster Güte zu entwickeln. Die bisher bei LIGNUM mit Edelhölzern aufgeforsteten Flächen stellen bereits ein erhebliches Volumen dar, dass mit dem Investitionsvolumen der Anleger einhergeht. Und das Interesse der Anleger nimmt ständig weiter zu. Unser Goodwill verleiht uns bereits jetzt eine hervorragende Stellung: Er besteht aus dem einmaligen Kulturrobinien-Genpool, dem einzigartigen technologischen Know-how, den geschaffenen betrieblichen Strukturen - insbesondere in Bulgarien, der Vertriebsstruktur sowie den Marken LIGNUM und LIGNUM nobilis. Mit der stetigen Erweiterung der Baumschulflächen wird laufend die Voraussetzung geschaffen, zukünftig das jährliche Aufforstungsvolumen zu vervielfachen. Mit umfangreicher Forschung und Entwicklung werden zielstrebig Grundlagen für weitere qualitative Schritte gelegt.

Worin liegen die Vorteile der Stiftungskonstruktion für die Anleger?

Die Stiftungskonstruktion sichert über mein unmittelbares Wirken hinaus langfristig, dass sich LIGNUM ethischen Maximen verpflichtet nachhaltig erfolgreich entwickelt. Das beinhaltet insbesondere die Erfüllung aller Verpflichtungen gegenüber den Anlegern, wofür die bestmögliche Pflege der Pflanzungen die Basis bildet. Durch die Stiftungskonstruktion ist Auszehrung des Eigenkapitals, die die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Anlegern gefährden könnte, ausgeschlossen. Das verhindert das Stiftungsrecht und wird durch die staatliche Aufsicht kontrolliert. Niemand kann also aus LIGNUM zu Lasten der Anleger Profit ziehen. Die Stiftungen bewirken darüber hinaus, dass Gewinne überwiegend in LIGNUM verbleiben und das Eigenkapital immer weiter stärken. Die Übereignung von LIGNUM an die Stiftungen bedeutet demnach einen qualitativen langfristigen Sicherheitsgewinn für die Anleger. Die Stiftungskonstruktion macht LIGNUM zu einer zukunftsweisenden Ausnahmeerscheinung unter den Vermögensanlagenanbietern. Ich denke, eine schöne Bestätigung für alle, die bereits bei LIGNUM investiert haben. Und, ein Grund mehr für jeden Anleger, bei LIGNUM zu investieren, um den naturgegebenen Zins und Zinseszins in unseren Edelholzpflanzungen für sich zu erzielen.